Leistungen für Patienten, Fallbeispiel 11

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Patient: weiblich, 42 Jahre

Die Patientin trug einen einseitig herausnehmbaren Modellguß als Zahnersatz mit drei Zähnen im Unterkiefer rechts und Klammerretention.

Der klinische Befund zeigt ein rekonstruiertes, aber erneuerungsbedürftiges Gebiß mit zwei freien Enden, eines im Oberkiefer links und ein zweites im Unterkiefer rechts. Im Rahmen einer zweizeitigen Sinusbodenelevation wurden im Oberkiefer links drei Implantate und im Unterkiefer rechts auch drei Implantate eingesetzt. Die knöcherne Einziehung im Bereich des ersten Molaren war für eine Implantation gerade noch akzeptabel. Es wurden drei Implantate im Unterkiefer rechts eingesetzt. Es bestand Prothesenkarenz.

Der Unterkieferkamm war ca. 6mm breit. Unter Berücksichtigung der prothetischen Insertion von Implantaten, hätten die Implantate ca. 2mm vestibulär gesetzt werden müssen. Nach Aufklärung und Rücksprache mit der Patientin über eine laterale Augmentation mit cortico-spongiösen Blöcken verweigerte sie ihr Einverständnis. Da aber bei der Patientin eine einseitige Sinusbodenelevation mit einem Knochentransfer aus dem Kinn vorher durchgeführt worden war, war zu dem Zeitpunkt nur eine Beckenkammentnahme von cortico-spongiösen Blöcken möglich. Die Patientin scheute den Aufwand und bat dennoch um eine Implantation entsprechend des chirurgisch verfügbaren Knochenangebotes. Der Zahn 45 wurde endodontisch behandelt. Unter Berücksichtigung der Ausgangslage und einem möglichen Verlust des Zahnes 45 wurden drei Implantate eingesetzt. Mit der Patientin wurde über die Verblockung der Implantate gesprochen, da die vestibuläre Knochenlamelle sehr dünn war. Die Verblockung der drei Kronen reduziert die horizontalen Scherkräfte, vermeidet daher eine schnellere Knochenresorption der vestibulären Lamelle. Für den Fall des Zahnverlustes kann kurzfristig ein neues Brückenglied in regio 45 an die bestehende Brückenversorgung angelötet werden. Die Rekonstruktion ist ohne größeren zusätzlichen Aufwand möglich.

Nach ca. einem 1/4 Jahr wurden die Implantate eröffnet, der Zahn 45 wurde in dem gleichen Zeitraum versorgt. Die Implantate erhielten einen okklusal verschraubten Brückenverbund, um die horizontalen Kaukräfte besser abzufangen. Die dünne vestibuläre Knochenlamelle verträgt keine weitere Resorption durch horizontale Überlastung, was durch eine Verblockung mit drei Implantaten möglich ist.

Bei dem Brückenverbund ist genau darauf zu achten, daß ein passiver Sitz der Brücke über den drei Implantaten gewährleistet ist. Andernfalls werden die Implantate einer vertikalen Zugbelastung unterzogen. Der Verlust der Implantate ist die Folge.

In einem solchen Fall wird die Brücke auseinandergeschnitten und die implantatgetragenen Kronen einzeln eingeschraubt und mit einer offenen Löffeltechnik abgedrückt. Es empfiehlt sich, den vom Zahntechniker gelöteten Brückenverband neu auf präzisen, passiven Sitz zu überprüfen.

Nach ca. 4 Monaten werden die Implantate durch eine metallkeramisch verblendete Brücke voll belastet. Die großen Volumen der Implantate und die Verblockung macht ein progressiv loading überflüssig.

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