Leistungen für Patienten, Fallbeispiel 12

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Patient: männlich, 67 Jahre

Der Patient erhielt 1948 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft eine Goldkrone über den Zahn 12. Durch einen Schlag frakturierte die Krone, so daß die Entfernung des Zahnes 12 notwendig war. Das gesamte Zahnsystem war parodontal abgestützt und in einem guten Zustand. Es bestand keine Infektion, so daß die Indikation für eine Sofortimplantation gegeben war.  Aufgrund der parodontalen Abstützung des Zahnsystemes und der guten Knochenqualität wurde eine Sofortversorgung des Sofortimplantates empfohlen. Der Patient wurde am Vormittag implantiert und am Abend mit einer horizontal verschraubten Galvanokrone versorgt.

Beim Entfernen des Zahnes wurde unter Beachtung des limbus alveolaris und der facialen Lamelle ein FRIALIT-2 Implantat (Fa. FRIADENT, Mannheim) eingesetzt. Mit 4,5mm Durchmesser gab der natürliche Zahn den Durchmesser des Implantates vor. Die Alveolarkammhöhe war ausreichend für ein 15mm Implantat. Ohne Aufklappung im Rahmen einer minimal invasiven Operationstechnik wurde mit leicht palatinaler Achsenrichtung das Implantat eingesetzt und mit dem Periotestgerätes auf seine Festigkeit hin getestet. Implantate mit einem minimalen Periotestwert von -3 eignen sich für die Sofortversorgung.

Beim Inserieren des Implantates ist darauf zu achten, daß die Innengeometrie des Hexagons achsengerecht steht, so daß keine Verdrehung des Aufbau erfolgt. Nach Einsetzen des Übertragungsaufbaus mit der Transferkappe wurde der Abdruck genommen und der 4mm Gingivaformer eingesetzt. Durch die minimale Traumatisierung des Weichgewebes kommt es zu keiner Narbenbildung und zur sofortigen Ausheilung, aber auch zum gleichzeitigen weichgeweblichen Kollaps. Daher ist es notwendig, daß eine ausreichende Höhe des Gingivaformers gewählt wird, um dem Kollaps des Weichgewebes entgegenzuwirken.

Der Zahntechniker erhält den frakturierten Zahn zu Ansicht und kann entsprechend der Form des natürlichen Zahnes die Krone modellieren. Mit der horizontal verschraubten Galvanokrone (Fa. Hafner, Pforzheim) steht eine höchst präzise Versorgung zur Verfügung, die durch eine Verschraubung eine kontrollierte zementfreie Randgestaltung ermöglicht.

Der Gingivaformer wird mit Gleitmitteln bestrichen, so daß eine Verklebung mit Fibrin oder Speichel nicht gegeben ist.

Am Abend wird die Versorgung eingesetzt. Je nach den ästhetischen Anforderungen kann auch die keramisch verblendete Galvanokrone mechanisch poliert werden, um die ästhetischen und phonetischen Verhältnisse zu überprüfen. Durch Anbrennen kann den Rezisionsprozessen des Weichgewebes durch Unterstützung Rechnung getragen werden. Der Druck auf das umliegende Gewebe wird erhöht, so daß ein weiterer Verlust an Weichgewebe vermieden wird. Der Kronenaufbau wird ebenfalls mit Gleitmitteln beschickt, die Krone eingeschraubt und präzise auf Nonokklussion überprüft.

Bei der Sofortversorgung von Implantaten ist im Bereich der Einzelkronenversorgung sehr darauf zu achten, daß keine okklusalen Kontakte und keine Belastung im Rahmen der Vorwärts- oder Seitwärtsbewegung gegeben. Die Zusammenarbeit zwischen Zahntechniker und Zahnarzt muß möglichst eng und in absoluter Übereinstimmung erfolgen. Es ist auch sinnvoll, daß der Patient vorher über die Risiken des Implantatverlustes aufgeklärt wird, so daß eine größtmögliche Kooperation des Patienten gewährleistet ist.

In wöchentlichen Abständen wird die Krone kontrolliert, um schließlich nach ca. einem 1/4 Jahr die endgültige Gestaltung und ihr definitives Aussehen zu erhalten.

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