Leistungen für Patienten, Fallbeispiel 15

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Patient: weiblich, 65 Jahre

Die Patientin stellt sich mit einem zahnlosen Unterkiefer vor. Sie trägt seit ca. 15 Jahren eine totale Prothese. Der Alveolarfortsatz ist in vertikaler und horizontaler Richtung atrophiert. Die bewegliche Schleimhaut inseriert den crestalen Anteil.

Nach präimplantologischer Diagnostik ist deutlich, daß in der Vertikalen genügend Knochensubstanz, aber in der Horizontalen kaum ausreichende Dicke vorhanden sind.

Nach Eröffnen des Mukoperiostlappens bestätigt sich die präimplantologische Diagnostik. Differentialtherapeutisch ist an ein Bone-Splitting mit Vorverlagerung des anterioren Unterkiefers zu denken. Da die Patientin aber keine Prothesenkarrenz toleriert, wird der Alveolarfortsatz in der Höhe reduziert, um ein ausreichendes Plateau für Implantate zu schaffen. Die so gewonnenen Knochenspäne werden mit einem Bone-Collector (Fa. FRIADENT, Mannheim) aufgefangen. Nach Reduzierung des Alveolarfortsatzes werden interforaminär 6 Implantate in gleichen Abständen eingesetzt. Aufgrund der zur Verfügung stehenden Knochensubstanz waren FRIALIT-2 Implantate (Fa. FRIADENT, Mannheim) mit dem Durchmesser 3,8mm und einer Länge von 15mm einzusetzen. Die Implantate fenestrierten über ca. 1/3 der Länge. Der Alveolarfortsatz wurde aus einem Gemisch aus Knochen, der im Bone-Collector (Fa. FRIADENT, Mannheim) gewonnen war, und BIO-OSS (Fa. Geistlich, Wohlhusen) aufgebaut. Die Vicrylmembran (Fa. Ethicon, Norderstedt) wurde mit Titan-Nägeln (Fa. Titanium, Triberg) fixiert. Die Membran wurde nach lingual über die Implantate weit genug eingeschlagen, so daß eine periostale Fixierung gegeben war. Die Größe des Aufbaus und der große linguale Anteil bestimmten die Wahl der Membran, was mit der Vicrylmembran ausreichend gegeben war. Nach spannungsfreier Nahtlegung war eine einwöchige Prothesenkarrenz verordnet. Danach wurde die Prothese mit weichbleibendem Unterfütterungsmaterial (Viscogel, Fa. De Trey, Wiesbaden) unterfüttert. Geringgradige Exfoliationen traten auf, so daß nach ca. 4 Monaten die Implantate eröffnet werden konnten, Gingivaformer eingeschraubt und der Abdruck genommen.

Aufgrund des beidseitigen Kreuzbisses von regio 13 bis 17 und 23 bis 27 wurde eine herausnehmbare Versorgung auf einem Steg mit Hilfe zweier Schwenkriegel gearbeitet. Die Höhenreduzierung des Alveolarfortsatzes und die ohnehin schon eingetretene vertikale Atrophie hat einen sehr großen interokklusalen Abstand verursacht, der zudem eine festsitzende Versorgung unmöglich macht.

Um allen Risiken und ästhetischen Beein-trächtigungen aus dem Wege zu gehen war die Patientin mit einer festsitzenden heraus-nehmbaren Unterkiefer-versorgung zufrieden.

Unter Berücksichtigung der Implantatdurchmesser und der Fenestrierung im facialen Anteil, der bikortikalen Lagerung der Implantate in der lingualen und facialen Corticalis ist in diesem besonders gelagerten Fall eine herausnehmbare Mesiostruktur ohnehin angezeigt.

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